Turbulente Zeiten im Zirkus "Miteinander"

Wefensleben, den 29.09.2016
Die Förderschule "Miteinander" in Wefensleben feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Festwoche.

 

Vieles habe sich in den vergangenen vier Dekaden immer wieder verändert, merkte Schulleiterin Beate Lehmann mit Verweis auf „die turbulente, facettenreiche Geschichte“ des Gebäudes in der Bahnhofstraße an. „Aber egal, in welcher Gesellschaftsordnung, unter welcher Schulpolitik und mit welchen manchmal haarsträubenden Begrifflichkeiten hier gearbeitet wurde, eines hat das Gebäude stets geprägt: Seit seiner Entstehung hat es Kinder aufgenommen, betreut, umsorgt, gefördert und gebildet. Diese Aufgabe ist etwas so Wertvolles und Schönes, das wollen wir auch in Zukunft bewahren.“

Lehmann erinnerte damit gewissermaßen an die Anfänge der Einrichtung. 1972 als so genannte Kinderkombination errichtet, wurden hier seinerzeit mehr als 200 Krippen- und Vorschulkinder betreut – auch schon integrativ, was damals zwar nicht so genannt wurde, jedoch ebenso bedeutete, dass Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung ein pädagogisches Zuhause hatten. Der nächste Schritt hin zur Förderschule erfolgte 1988 mit dem Umbau der Kinderkombination zu einer Wocheneinrichtung für Kinder und Jugendliche. „Und auch wenn das Recht auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen damals längst nicht so selbstverständlich war wie heute, so können wir uns doch über die Entwicklung freuen, die damit begonnen hat“, sagte Beate Lehmann.

Unter Schulleiter Ulrich Venzke wurde er nach der Wende schließlich eingeläutet, der erste Schul- und Unterrichtstag am 30. September 1991. „Eine spannende Zeit“, blickte Lehmann zurück, „denn auch wir Lehrer stellten uns einer neuen Herausforderung. Bedenken, Fragen, Unsicherheiten – das alles war natürlich auch im Team der Schule auszumachen. Doch wir erhielten von vielen Seiten große Unterstützung, insbesondere von den ehemaligen Erzieherinnen der Wocheneinrichtung. Und wenn ich die vielen Gäste hier und heute sehe, sehe ich eine große Verbundenheit mit dieser Schule und auch deren Wertschätzung."

 

Miteinander ist Programm

Was seit 1991 konzeptionell und pädagogisch in der Schule schon gelebt wurde, ist zehn Jahre später mit der Namensgebung verdeutlicht worden: „Miteinander“ ist nicht nur ein Wort, das an der Fassade prangt, sondern vor allem Programm und Profil der Schule, die derzeit Lernort für 43 Kinder und Jugendliche ist und sie individuell begleitend, fördernd und fordernd auf das Erwachsenenleben sowie die berufliche Zukunft vorbereitet.

25 Jahre bedeuteten auch, dass „jede Menge Dank an die vielen Wegbegleiter, Mitstreiter und Unterstützer“ fällig sei, so Beate Lehmann. Sie nannte und würdigte ihre Vorgänger Ulrich Venzke und Petra Lubig an erster Stelle, bedachte „Sportsmann“ Klaus Schmiedecke mit einem Präsent und einer herzlichen Umarmung, lobte die Fachdienste des Landkreises für die „fortwährend gute Zusammenarbeit und Unterstützung“ und honorierte auch Wilfried Thielecke mit seinem Schülertransport als verlässlichen Partner. Unter den Sponsoren hob Lehmann die Bürgerstiftung Ostfalen hervor, die sich insbesondere für das Projekt Trainingswohnung finanziell engagiere.

Dem Festempfang in der Aula folgte der Tag der offenen Tür in der rundum jubiläumsverzierten Förderschule. Die Schüler des Musikkurses präsentierten zum Auftakt ein furioses Zirkusprogramm. Später stellte auch die Theatergruppe ihr Können unter Beweis, und wie immer sorgten die neuesten Töpfer- und Floristikerzeugnisse aus der Schülerfirma für helles Entzücken.

 

Foto: Im „Zirkus Miteinander“ brachte der Musikkurs mit viel Kunst und Witz zum Ausdruck, dass jedes Kind Bildung genießen kann.

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Turbulente Zeiten im Zirkus "Miteinander"